Stolberg (Rheinland)

 Die Burg Stolberg von Süden gesehen (1999)
Die Burg Stolberg von Süden gesehen (1999)
Archäologischen Funden zufolge bereits in der frühen Mittelsteinzeit vor ca. 12.000 Jahren vorübergehend besiedelt, lassen sich die ersten dauerhaften Siedlungen auf dem Gebiet der heutigen Stadt Stolberg etwa auf die Zeit zwischen dem 1. und 3. Jahrhundert nach Christus datieren. Keltische und römische Siedlungsreste in Atsch, am Breinigerberg, am Brockenberg-Hassenberg, bei Diepenlinchen und in der Mausbacher Heide sowie bei Dorff, Hassenberg und Büsbach untermauern diese These. Die eigentlichen Anfänge der Stadt stammen jedoch aus dem 12. Jahrhundert, als die Burg Stolberg 1118 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Ende des 14. Jahrhunderts gelangte die Gegend unter die Herrschaft des Herzogtums Jülich, wo sie bis zum Ende des 19. Jahrhunderts und der Besetzung durch die Franzosen von 1794 bis 1815 verblieb. Bereits ab 1600 entwickelte sich die Stadt durch die Ansiedlung protestantischer Kupfermeister aus Aachen nach und nach zu einem der wichtigsten Zentren der Messingherstellung in Europa. Ein Zeugnis dieser Epoche ist der bis heute sehenswerte „Kupfermeisterfriedhof“ (Finkenbergfriedhof) von 1688.

Von dem Wohlstand durch die Metallverarbeitung profitierte Stolberg auch architektonisch, die Produktionsstätten der burgartig gebauten Kupferhöfe und zahlreiche repräsentative Wohnhäuser vor allem in den heutigen Stadt- und Ortsteilen Oberstolberg, Breinig, Büsbach, Dorff, Schevenhütte, Unterstolberg und Zweifall geben bis heute Auskunft über die damalige Prosperität. Mit dem Wechsel unter die Hoheit Preußens 1815 verlor die Messingindustrie vor Ort jedoch sukzessive an Bedeutung, der Strukturwandel konnte aber durch den Ausbau der Blei-, Chemie-, Glas- und Zinkindustrie gut bewältigt werden. Der Anschluss an das Eisenbahnnetz 1841 ließ die lokale Wirtschaft weiter erblühen, in den beiden Stadtteilen Münsterbusch und Unterstolberg (Mühle) entstanden mit der Grube James, der Bleihütte und Zinkhütte Münsterbusch die ersten großen Industrielandschaften in Deutschland. Zwischen 1867 und 1888 wird das Eisenbahnnetz im umliegenden Vichttal immer stärker ausgebaut, bereits 1856 hatte man die Stadtrechte erhalten. 1866 wird das neue Bethlehem-Krankenhaus im ehemaligen Kupferhof Steinfeld eingeweiht, 1888 die Burg Stolberg in ihrer heutigen Form wieder aufgebaut.

 Das Burghaus auf der untersten Ebene
Das Burghaus auf der untersten Ebene
Um die Jahrhundertwende werden in Stolberg zahlreiche öffentliche Gebäude, vorrangig Schulen und Kirchen errichtet, am Vorabend des Ersten Weltkriegs wächst die Stadt durch die Eingemeindungen von Büsbach, Schneidmühle und Jordansberg weiter an. 1920 folgt die Eingliederung des Gebiets Hammerberg. In der Epoche der Weimarer Republik war Stolberg in den Jahren 1919 bis 1929 von alliierten Truppen aus Belgien und Frankreich besetzt, in den späten 1920er Jahren waren gut 10 Prozent der Bevölkerung offiziell erwerbslos, der Arbeiterwohnungsbau am Stadtrand schafft nur bedingt Abhilfe. 1932 werden der Burgholzer und Hochweger Hof, Niederhof und Steffenshof eingemeindet, 1930 wurde das neue Stadtbad feierlich eingeweiht. Mit der Machtübernahme durch die NSDAP 1933 wurde die ortsansässige Metall verarbeitende Industrie bis Ende der 1930er Jahre fast vollständig für die Rüstungsproduktion eingesetzt. Ca. 2.500 Zwangsarbeiter mussten auch noch nach Kriegsbeginn 1939 bis zur Eroberung der Stadt durch US-amerikanische Truppen im Oktober 1944 in den Werken arbeiten. An ihr Schicksal erinnert seit 2001 ein Denkmal vor dem Eingang des Museums für Industrie-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte im Stadtteil Münsterbusch.

Vichtbach in Oberstolberg
Vichtbach in Oberstolberg
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 gehört Stolberg zunächst zur britischen Besatzungszone und ab 1947 zum neu geschaffenen Bundesland Nordrhein-Westfalen. Für die Flüchtlinge und Vertriebenen aus den ehemals deutschen Ostgebieten werden Neubaugebiete wie die Donnerberger und Velauer Siedlung errichtet. Im Rahmen des schrittweisen Wiederaufbaus werden 1956 der Neubau des Bethlehem-Krankenhauses und das neue Berufsschulgebäude eingeweiht, 1961 die neue Stadthalle offiziell eröffnet. Im Laufe der 1960er Jahre wächst Stolberg zur bevölkerungsreichsten Kommune im damaligen Landkreis und der heutigen Städteregion Aachen heran. In den 1970er-Jahren werden mit dem neuen Rathaus am Kaiserplatz, dem Stadion und Hallenbad am Glashütterweiher weitere bedeutende öffentliche Gebäude erbaut, durch die kommunale Gebietsreform 1972 verdreifacht sich das Stolberger Stadtgebiet. In den 1980er-Jahren werden die Oberstolberger Altstadt umfangreich restauriert und die Schwermetallhalden weitgehend saniert. In den 1990er-Jahren wird im Stadtteil Buschmühle der neue Zentralfriedhof eröffnet, die Innenstadtumgehung L 238n fertiggestellt, das Gewerbegebiet Steinfurt und das Dienstleistungszentrum Münsterbusch ihrer Bestimmung übergeben. Seit 2001 bedient die Euregiobahn die Stolberger Innenstadt, 2004 entsteht auf dem ehemaligen Militärgelände Camp Astrid ein neues Gewerbegebiet, ab 2009 ist die Stadt Stolberg eine der zehn Gemeinden der neu geschaffenen Städteregion Aachen.

Den aktuell knapp 57.000 Einwohnern Stolbergs wie auch Gästen und Besuchern der Stadt steht heute eine große Auswahl an schönen Naherholungsgebieten, Grünflächen und Ausflugsmöglichkeiten zur Verfügung. Beliebt bei Wanderern und Spaziergängern sind etwa der Waldlehrpfad durch das Solchbachtal bei Zweifall, den Naturlehrpfad Roggenläger von Zweifall nach Breinig und der Lehrpfad über die Kalkbrennerei im aufwendig renaturierten Steinbruch Gehlen. Insgesamt umfasst das Rundwanderwegenetz der Stadt über 200 Kilometer, dazu kommen diverse Radwege und Trimmpfade sowie mehr als 60 Kilometer Reitwege. Gut die Hälfte des Stadtgebiets ist außerdem als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, der Naturpark Nordeifel mit dem Vennvorland stellt hierbei die größte Fläche. Empfehlenswerte Gegenden für Erkundungen sind auch die Naturschutzgebiete Auf der Rüst, Bärenstein, Steinbruchbereich Bernhardshammer und Binsfeldhammer, Brockenberg, Horstbend-Mausbachquelle, Schlangenberg, Schomet, Tatternsteine mit Talaue und Werther Heide Napoleonsweg. Stolberg und Umgebung lassen sich auch gut über diverse Radwanderwege entdecken, so zum Beispiel mit der Wasserburgen-Route (524 Kilometer) durch die Eifel und Kölner Bucht, der Grünroute (370 Kilometer) zwischen Beringen (Belgien), Heerlen (Niederlanden) und Düren (Deutschland) und mit der Deutschen Fußballroute NRW (800 Kilometer) durch Nordrhein-Westfalen.

Ehemaliges Amtsgericht am Kaiserplatz
Ehemaliges Amtsgericht am Kaiserplatz
Ausgehen, Essen und Trinken – das Nachtleben hat ebenfalls durchaus einiges zu bieten, besonders für Singles und Abenteuerlustige. Casual Dating in Stolberg steht hoch im Kurs bei Jugendlichen. Schnelle Sexkontakte sind garantiert, und wer doch mal etwas fauler ist, findet auch schnell heiße Hobbyhuren in Stolberg. Wer den besonderen Kick sucht, findet natürlich auch Parkplatz- & Rastplatzsex Kontakte in Stolberg für ein erotisches Abenteuer. Die Szene in dieser Region ist besonders groß und als wild zu bezeichnen.

Viel Informatives und Wissenswertes über die ereignisreiche Stolberger Stadt- und Wirtschaftsgeschichte erfährt man im weiter oben bereits erwähnten und 1996 eröffneten Museum Zinkhütter Hof, wo u.a die Entwicklung der Verwendung der Werkstoffe Messing und Zink in Dauer- und Sonderausstellungen ausführlich beleuchtet werden. Ebenfalls einen Besuch lohnt das im März 2009 eröffnete Museumssägewerk am Ortsrand des Stadtteils Zweifall mit historischem Werkzeug aus der Waldarbeit und Sägewerkstechnik. Seit 1983 steht das Heimat- und Handwerksmuseum in der Torburg der Öffentlichkeit offen, hier können auf fünf Ebenen ebenfalls historische Werkzeuge und Haushaltswaren, die Schusterwerkstatt, Sattlerei, Modellschreinerei und Schmiede sowie der Mineralien- und Fossilienkeller wie auch der Glasraum mit vielen Zier- und Gebrauchsgläsern besichtigt werden. Im Informationszentrum Naturschutzgebiet Schlangenberg im Ortsteil Breinig ist das realistische 3-D-Modell des Schlangenberges ein Publikumsmagnet.