Die Stolberger Burg

Burg Stolberg
Burg Stolberg
Die Burg mit ihren Wohngebäuden, ihren wuchtigen Türmen, Umfassungsmauern und Wehrgängen liegt auf einem mächtigen Kalksteinfelsen oberhalb des Vichttales. Die starken Mauern sind so kunstvoll in dem Felsen verankert, daß die ganze Burganlage wie aus dem Gestein herausgewachsen erscheint.

Wann und aus welchen Gründen auf dem Felsen das erste befestigte Gebäude errichtet wurde, ist ungewiß. Möglicherweise befand sich dort in römischer Zeit ein Wachturm, sind doch nachweislich viele mittelalterliche Burgen an den Stätten römischer Kastelle und Straßenwarten erbaut.

Die Sage will wissen, Karl der Große habe sich auf dem Felsen, von dem aus das damals sicher reizvolle Vichttal zu übersehen und zu beherrschen war, ein Jagdschloß erbaut. Historisch gesicherte Erkenntnisse lassen sich erst für die Zeit kurz nach 1100 gewinnen, wobei allerdings zu bedenken ist, daß zufällig erhaltene Daten keineswegs den Zeitpunkt der Entstehung wiedergeben müssen.

In mehreren Urkunden des 12. Jahrhundert – die älteste stammt aus dem Jahre 1118 – wird ein Edelherrengeschlecht derer von Stalburg erwähnt. Daraus ist zu schließen, daß mindestens bei Beginn des 12. Jahrhunderts auf dem Felsen < übrigens ein Stück oberhalb der jetzigen Wehranlage > eine Burg gestanden haben muß. Unter >> Burg << darf man sich freilich keine hochragende Feste vorstellen. >> Burg << wurde in jener Zeit jeder irgendwie abgesonderte und befestigte Wohnsitz eines Grundherren genannt. Der um 1100 erwähnte Herrensitz dürfte eine bescheidene Hofanlage gewesen sein, zu der Waldungen, Wiesen und Ackerland gehört haben. Da der Hof aber durch seine Lage auf dem Felsen in der Tat gesichert und fest war, werden ihn die Besitzer nicht ohne Stolz >>Stal<Stal< ist das mittelhochdeutsche Wort für >Stahal< oder >Stal< in seiner ursprünglichen Bedeutung von >fest,standhaftfeste BurgStolberg< entwickelt. Der Herrensitz hat im Laufe der Jahrhunderte vielfach den Besitzer gewechselt. Zeit und Witterung müssen dem Gebäude arg zugesetzt haben, wie sich aus einer Urkunde aus dem Jahre 1364 schließen läßt. Der neue Besitzer wird nämlich verpflichtet, an der Burg 400 Gulden zu verzimmern und zu verbauen. Sie muß also in einem schlechten baulichen Zustand gewesen sein. Im Jahre 1447 kann von einem burgartigen Gebäude überhaupt nichts mehr bestanden haben. Denn der Herzog von Jülich, der mittlerweile die Herrschaft von Stolberg in seinem Besitz gebracht hatte, belehnte mit >Staelburg uf der Veicht< Wilhelm von Nesselrode unter folgender Bedingung: sollte Wilhelm den Berg mit einer Burg versehen, so soll diese >Offenhaus< der Herzöge von Jülich sein.

In der Tat entschloß sich Wilhelm, eine geräumige Feste auf dem Felsen zu errichten, denn die Zeitläufe waren unruhig und unsicher. Immer wieder entstanden Fehden durch die verworrenen und umstrittenen Eigentums-, Rechts- und Hoheitsverhältnisse der vielen weltlichen und geistlichen Territorien zwischen Maas und Rhein. Wilhelm baute einen mächtigen runden Bergfried, an den sich nach Westen ein großes Palasgebäude anschloß, das durch einen niedrigen Anbau erweitert war.

Die Verbindung mit einem Flankierungsturm auf der Westseite stellte ein Torbau her. Eine Zeichnung aus der Mitte des 16. Jahrhunderts gibt diesen Neubau wieder, der im Kern der heutigen Burg noch deutlich zu erkennen ist. Im Schutze der Wehrmauer lag die Burgkapelle, an deren Stelle später die heutige katholische Pfarrkirche St. Lucia errichtet wurde.

Die Burg Stolberg von Süden gesehen (1999)
Die Burg Stolberg von Süden gesehen (1999)

Die Burg hat im Laufe der Jahrhunderte durch Brand, Plünderung, Pulverexplosion, Erdbeben und Kriegseinwirkung starke Schäden erlitten. Bei den Instandsetzungsarbeiten hat die Anlage nach den Wünschen und Bedürfnissen der jeweiligen Besitzer wesentliche bauliche Erweiterungen erfahren, die leider nicht immer urkundlich belegt sind. So hat man beispielsweise vom Fuße des Felsen aus an zwei Stellen (Burg- und Klatterstraße) ein verwickeltes System von Stollen in den Kalksteinfelsen getrieben, die oben an der Burg auskommen. Sie dienten bei Gefahren als geheime Fluchtwege für die Burgbewohner.

Nach 1542 erhielt das Palasgebäude unter Hieronymus von Efferen nach einem großen Brand ein hohes Dach mit Treppengiebeln. Der westliche Flankierungsturm wurde mit einer polygonalen Schieferhaube versehen. Die großen Fenster erhielten Kreuz- und Quer-sprossen. Doch bald war die Zeit der Burgen vorbei. Als ihre Wehrkraft bedeutungslos geworden war, erlitt auch die Stolberger Burg das Schicksal so vieler Höhenburgen: sie zerfiel im 17. und 18. Jahrhundert.

1756 barsten durch ein Erdbeben viele Mauern. Das Gebäude wurde immer baufälliger. Schließlich diente es nur noch armen Leuten vorübergehend als Unterkunft und Handwerkern als Werkstätten. Das die Burg nicht ganz zerfallen ist, verdankt Stolberg dem Fabrikanten Moritz Kraus, der die Ruine im Jahre 1887 kaufte und in mühseliger Arbeit wieder aufbauen ließ.

Die Kernanlage CBergfried, Palas,Westturm) blieb erhalten, wurde allerdings dem Stilgefühl der Zeit entsprechend mit romantischen Ziermotiven geschmückt. Der durch eine Pulverexplosion zerstörte Bergfried wurde wieder aufgebaut und mit einem Zinnenkranz versehen. Nach Norden hin wurde ihm ein Dansker vorgebaut, der durch eine Brücke mit dem Bergfried verbunden wurde. Der Westturm erhielt statt des Zwiebelhelmes ebenso einen Zinnenkranz, nach dem man ihn um ein Geschoß erhöht hatte.

Unterhalb des Westturmes wurde ein wuchtiger Vierkantturm neu errichtet. Dem Palas wurde auf der Nordseite in der ganzen Gebäudelänge eine Halle vorgesetzt. Neu angelegt wurde auch die Vorburg an der Eselsgasse. Sie erhielt einen Wehrgang und entsprechende Wachtürme. So hat Moritz Kraus in jahrelanger, kostspieliger Bautätigkeit die Burg aus einem Trümmerhaufen neu entstehen lassen.

1909 schenkte er die Burg der Stolberger Bürgerschaft als unverkäufliches Erbe. Erneute schwere Beschädigungen während des 2. Weltkrieges gaben willkommenen Anlaß, bei den Instandsetzungsarbeiten die stilwidrigen Elemente und Ergänzungen abzutragen und soweit wie möglich die ursprünglich architektonische Klarheit wiederzugewinnen. Nach eingehenden baugeschichtlichen Untersuchungen, die drei deutliche Bauabschnitte erkenne ließen (Neubau unter Wilhelm von Nesselrode um 1450, Erweiterung unter Hieronymus von Efferen nach 1542, Umbau unter Moritz Kraus nach 1887) entschloß man sich, die Instandsetzungsarbeiten abzustimmen auf den Zustand unter Hieronymus von Efferen.

Die drei östlichen Rundtürme CBergfried, Dansker und kleiner Südostturm) erhielten Nürnberger Helme, der Westturm wieder die frühere polygonale Zwiebelhaube. Das Palasgebäude bekam ein Steildach mit beiderseitigem Treppengiebel und Walmgauben, der nach Westen anschließende niedrige Baukörper, die sogenannte Kemenate, ein Steildach ohne architektonische Betonung. Im inneren konnte der Rittersaal in der ursprünglichen Größe des ersten Bauabschnittes wieder erstellt und das Obergeschoß zu einer Galerie für Ausstellungen hergerichtet werden. An den Rittersaal schließt sich die renovierte Kemenate an. Beide sind durch ein großzügig angelegtes Foyer zu erreichen.

Öffnungszeiten der Burg:

Montags geschlossen
Di – Fr von 14 bis 18 Uhr
Sa u. So von 11 bis 19 Uhr.

Heimat u. Handwerkermusem
Unterer Burghof

Sa u. So von 14 bis 18 Uhr