Kupferhof Rosenthal

Dieser Kupferhof Rosenthal war einer der jüngeren und vornehmsten Kupferhöfe Stolbergs.

Der Bauherr war Johannes Schleicher, der 1724 den damals bedeutenden Baumeister Tilman Roland beauftragte, diesen repräsentativen Wohnsitz mit impo-santer Toranlage zu errichten.

Tilman hatte die neuen Abteigebäude in Kornelimünster gebaut und erhielt von der Stolberger reformierten Gemeinde den Auftrag, die Finkenbergkirche zu gestalten

Das Herrenhaus zeigt die Wohlhabenheit der Kupfer- meister zur Blüte des Messinggewerbes. Es ist aus Werk- steinquadern errichtet, hat einen giebelbekrönten Mittelrisalit, eine geschwungene Freitreppe führt zum großem Portal.

Der Innenhof ist mit festungsartig angelegten Gebäuden umschlossen, die frühere Kontore beherbergten, die Fenster und Türen waren zum Innenhof gerichtet und das Herrenhaus liegt gegenüber der Tordurchfahrt. Vielfach waren die Kupfermeister gezwungen, sich gegen Kriegs- volk und Gesindel mit der Waffe zu wehren. Auch dürfte eine Abschirmung gegen die oft neidische Konkurrenz ratsam gewesen sein.

Die ganze Anlage war mit einem Wassergraben umgeben, der als Vorratsspeicher zum Betreiben der Wasserräder in den Produktionsstätten diente und vom Vichtbach abgezweigt, gespeist wurde, bot auch noch zusätzlichen Schutz.

Die Werksgebäude waren dem Areal des Wohn- und Herrenhauses vorgelagert und bildeten einen eigenen Wirtschaftshof. Der ist bis auf ein paar Gebäude vorn an der Rathausstraße noch vollkommen erhalten und heute als Wohnraum und Arztpraxen genutzt wird.

Die Stolberger Kupfermeister genossen insgesamt wegen ihres Reichtums hohes Ansehen. Als 1738 der Kurfürst von Köln, Klemens August Stolberg besuchte, empfingen ihn die Kupferherren, auf feurigen Rossen sitzend und die Bürgerwehr in Waffen und ihren Fahnen paradierte. Der Fürst nahm sein Absteigequartier auf dem prunkvollen Kupferhof Rosenthal.

Um 1830 heiratete Catharina Gertrud Schleicher den Messingfabrikanten Richard Lynen und brachte den Kupferhof Rosenthal mit in die Ehe. Die Familie Lynen bewohnte das Haupthaus bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Nach dem Verkauf beherbergte es Architektenbüros und die Seitenflügel dienten als Wohnraum.

Nach mehrmaligem Besitzerwechsel und einige Jahre leerstehend haben die Schwestern Monika und Annegret Lück Ende 2006 das heruntergekommene Gebäude gekauft und sind dabei den ganzen Komplex aufwendig zu sanieren. Quelle: Stadtarchiv Stolberg